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Als Olaf seiner Suri begegnete

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Als Olaf seiner Suri begegnete

Olaf lebt in Hannover. Und hat eine Kuh gemietet. Die steht allerdings bei Mathias Erath im Stall – mitten im Bregenzerwald.

Hannover. Olaf steckt im morgendlichen Stau. Hinter den Hochhäusern kriecht die Sonne durch den Dunst. Endlich in der Tiefgarage angekommen, steht der BMW seines schärfsten Konkurrenten auf „seinem“ Parkplatz. Fluchend parkt Olaf zwei Ebenen tiefer. Im gläsernen Lift ist es eng. Es riecht nach Rasierwasser, Kaffee und Stress. Im Büro glotzen ihn alle an, als seien ihm Hörner gewachsen. Olaf fährt seinen Computer hoch: Eine Kuh! Wie kommt die auf seinen Bildschirm? Seine Kollegen applaudieren. „Wir haben dir zum Geburtstag ’ne Kuh gemietet. Alles Gute!“ Olaf grinst gequält. Was, um Gottes Willen, soll er mit einer Kuh? Aber dann blickt er durch die Webcam in einen Stall und muss lachen: Fressende, schnaubende Kühe. Seine Kollegen drängen sich um den Bildschirm und versuchen herauszufinden, welche Suri ist. Suri gehört Mathias Erath, einem jungen Bauern aus Au.

Hinter dem 300-jährigen Bregenzerwälder Bauernhof geht gerade die Sonne auf. Schwalben flitzen um die Tenne, das Gras duftet frisch, neben der Haustür stehen Gummistiefel und Tomatenpflänzchen. Dorle Erath, die Mutter von Mathias, zupft in ihrem Kräutergarten an Quendel, Schafgarbe und Goldrute – ihre Leidenschaft. Mathias ist seit viertel nach fünf auf den Beinen, tränkt die Kälber, melkt und mistet. Heute mit Publikum aus Hannover. Er striegelt die Pferde, die er im Winter für Kutschenfahrten durchs Dorf braucht. Der Hund springt um seine Beine und der Hahn weckt mit seinem Krähen die Gäste in den zwei Ferienwohnungen.

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In wenigen Wochen, Anfang Juni, zieht Mathias aufs Vorsäß (eine Vorstufe zur Alpe, wo die Bauern von Mitte Juni bis Mitte Juli ihr Vieh weiden). Dort hat er Platz für dreizehn Kühe. Hier im Stall aber stehen vierzehn. Eine muss zum Metzger. Es wird die Kuh namens Resi sein. Sie trägt nicht und hat einen wehen Fuß – der Marsch wäre eine Qual. Im Vorsäß verarbeitet Mathias täglich die Milch aller Kühe vom Vorsäß, insgesamt an die 850 Liter pro Tag. Fünfzig Käselaibe kann er dort lagern. Die ersten dreißig schickt er zur Privatkäserei Rupp. Das Sennhandwerk hat er mit sechzehn gelernt. Nach einem Monat, wenn im Vorsäß das Gras abgefressen ist, führt er seine Kühe auf die höher gelegene Annalp, wo er sie in die Obhut eines Senns gibt, der sich um neunzig Kühe der umliegenden Höfe kümmert. Alle paar Tage fährt Mathias aufs Vorsäß, um den Käse zu salzen. Dass Mathias den Hof übernehmen würde, war lange klar, denn er ist feinfühlig und hat eine exzellente Beobachtungsgabe. Ohne diese Eigenschaften könnte er seinen Beruf nicht ausüben. Er erkennt, wenn eine Kuh trübe Augen hat, die Ohren hängen lässt, weniger frisst oder sich nicht wohlfühlt. Dann muss meistens der Tierarzt her. Die Idee mit der Kuh-Vermietung hatte Mathias im Jahr 2009. Das Medienecho war enorm. Heute vermietet er Kühe nach Amerika, China, England und Finnland. Bei Olaf im Büro hängt inzwischen ein gerahmtes Bild von Suri. Jede Woche schickt Mathias Bergkäse. Und im Sommer fährt die ganze Abteilung mit einem Bus nach Au. Wer eine Kuh mietet, hat uneingeschränktes Besuchsrecht. Das Gelächter unter den Kollegen ist groß, als Olaf versucht, Suri zu melken. Er nimmt es gelassen. Nächsten Sommer wird er mit seiner kleinen Tochter anreisen und ihr zeigen, dass Milch nicht aus dem Tetrapak kommt.

Autorin: Irmgard Kramer

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