Werkraum Haus Ansicht mit Bahnhof©Florian Holzherr, Werkraum Bregenzerwald
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Werkraum Bregenzerwald

Im Bregenzerwald ist die Kultur des Bauens und Wohnens augenfällig. Die Bewohner selbst wissen die handwerkliche Fertigung in kleinen und mittelständischen Betrieben seit jeher zu schätzen. Zuverlässigkeit, solide Verarbeitung und gute Gestaltung haben zur Folge, dass Handwerk und Gewerbe im Bregenzerwald die größten Arbeitgeber sind.

Nirgendwo in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Handwerksbetrieben. Die Arbeiten des Werkraums sind international präsent, die innovativen Handwerker im In- und Ausland gefragt. Seit mehr als 25 Jahren wird mit dem Wettbewerb Handwerk+Form im Dreijahresrhythmus der Öffentlichkeit vorgeführt, wie Fachleute aus allen Bereichen des Gestaltens mit Handwerkern aus dem Bregenzerwald zusammenarbeiten, um alltagstaugliche und material- und formgerechte Objekte zu entwickeln. Ab 2015 sind neueste Entwicklungen aus diesem Wettbewerb im Werkraum Haus zu sehen.

Ein Haus für das Handwerk

Das von dem international renommierten und dem Handwerk außerordentlich verbundenen Architekten Peter Zumthor geplante Haus in Andelsbuch, wurde 2013 eröffnet. Der visionäre Entwurf für das Werkraum Haus beruht auf zwei Grundgedanken. Einerseits dient das Gebäude als Versammlungsort und andererseits als große Vitrine - als Schaufenster zur Handwerkskultur im Bregenzerwald. Ausdruck dieser Idee ist ein weit ausladendes Dach aus Holz und eine Fassade aus Glas. Die Trennung zwischen Innen und Außen ist aufgehoben, die Landschaft fließt durch das Gebäude hindurch. In den begehbaren Schaufenstern sind ganzjährig Arbeiten aus den Werkraum-Werkstätten zu sehen. Bauherren, Architekten und Interessierte der Bau- und Wohnkultur bekommen Einblick und persönliche Beratung zum Leistungsspektrum der im Werkraum vernetzten Handwerker. Auf 700 Quadratmetern bietet die offene und flexibel bespielbare Halle ausreichend Platz für wechselnde Ausstellungen, Veranstaltungen, Aktionen, einen Shop und eine Gastwirtschaft.

Der Werkraum Bregenzerwald

Seit seiner Gründung im Jahr 1999 bildet der als Verein organisierte Werkraum Bregenzerwald eine Plattform für innovatives Handwerk im Bregenzerwald. 85 innovative Betriebe sind derzeit Mitglied, überwiegend Holzverarbeiter wie Tischler und Zimmerer, aber auch Schlosser, Steinmetze, Maurer, Installateure, Elektriker, Maler, Polsterer, Textilverarbeiter, Schuster bis hin zu Exoten wie Küfer oder Holzbildner. Die meisten Betriebe haben bis ca. fünf Mitarbeiter, einige sind Einmannunternehmen, wenige haben zweistellige Belegschaften.

Handwerksqualitäten

Arbeit vor Ort, Eingehen auf den besonderen Fall, Direktbeauftragung, Kundennähe und Flexibilität sind Qualitätsmerkmale dieser Handwerksarbeit, fachliches Können und gestalterisches Gespür vorausgesetzt, erworben in einer hochentwickelten Handwerkskultur und selbstverständlich weitergegeben an die nächste Generation. Dieser Fundus wird gepflegt und ständig erweitert: Rohstoffe, die Weißtanne etwa, werden aufs feinste kultiviert; mit Kleinserien im Möbelbau werden neue Märkte erschlossen; Vorfertigung von Bauelementen etwa im Hotelbau werden vorangetrieben; neueste Fertigungstechnologien wie CAM und CNC sind eingeführt; das Finish etwa bei Beschichtungen wird erweitert – Handwerkskunst trifft allenthalben  Ingenieurswissenschaft.
So verwundert nicht, dass in Athen Küchen aus Hittisau zu finden sind, die Einrichtung eines Studentenwohnheims in Massachusetts aus Schwarzenberg stammt oder 2008 auf dem Dach des MoMa in New York eine Wohnzelle aus Reuthe zu sehen war.
Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Marketing – all das, was die Industrie dem Handwerk voraushat, leistet der Werkraum. Doch ohne großes Budget, dafür mit einem Kapital, das handwerkstypisch ist: Kopf und Hand, Vernetzung, Verknüpfung. So konnte die interessierte Öffentlichkeit in Wien, München, Paris u.a. Ausstellungen des Werkraum sehen, ist er in der Fachpresse allgegenwärtig, wird der Werkraum als „Landschaft des Wissens“ geführt.
Nicht nur das: Der Werkraum hat sich immer vor Ort engagiert – sei es bei der Ausbildung, sei es in den Schulen, sei es bei konkreten Bauprojekten, sei es beim Umgang mit historischer Bausubstanz. Er ist ein Beitrag zum Strukturwandel der Region und ein Beispiel sozialer Kompetenz.

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